Am nächsten Morgen haben wir einen Blick aus dem Fenster geworfen und mussten feststellen, dass die Wolken doch schon etwas tief hingen. Doch das sollte uns nicht davon abhalten, ein wenig durch die Rocky Mountains zu wandern.

Bei knackigen Minusgraden ging es zum Auto und damit dann zum Tanken. Lutz habe ich das Ganze mal überlassen, da ich das System schon kannte. Doch als er den Tankrüssel nahm, diesen in den Tank steckte und anschließend was rausgekommen ist, war ich recht überrascht. Lutz natürlich nicht, da er es ja nicht anders gemacht hat, als er es auch aus Deutschland kannte. Normalerweise bezahlt man erst und kann dann tanken. Doch der Pächter meinte, dass er fast noch der einzige in den USA ist, der diese Methode anbietet.

Mit dem vollen Tank ging es zum National Park. Kurz vor dem Eingang fielen uns zwei miteinander kämpfende Wapiti-Hirsche auf. Nach ein paar Versuchen, sich gegenseitig fertigzumachen, haben sie es dann irgendwann aufgegeben und sind ihrer Wege gegangen. Das war jedenfalls ein sehr guter Einstieg für den Tag.

Am Startpunkt angekommen, haben wir uns noch das ein oder andere überziehen müssen, da es doch schon verdammt frisch war.

Wir dachten uns aber, dass uns durch ein wenig Laufen schon von alleine wieder warm werden würde. Das hat auch bis auf die Hände anfangs recht gut funktioniert. Als wir die ersten Höhenmeter überwunden hatten, haben wir doch schon gemerkt, wie anstrengend das war. Das lag aber nicht wirklich an unserer Ausdauer, sondern an der Höhe. Los ging es bei ca. 2600 Metern und auf bis ca. 3100 Metern mussten wir wandern. Oben erwartete uns der Bierstadt Lake. Es war eine Totenstille gewesen. Nur den ein oder anderen Vogel hörte man.

Weiter ging es dann auch entlang der Wanderwege durch den verschneiten Wald. Es begegneten uns jede Menge Tiere. Vor allem aber war das Eichhörnchen unser ständiger Begleiter.

Irgendwann wurde das Wetter immer unbeständiger, sodass wir dann nach vier Stunden wieder den Rückzug antraten. Wir wollten zwar noch quer durch den Park mit dem Auto zum Südausgang fahren. Doch dies ging nicht, da der einzige Weg wegen Schneesturms geschlossen war.

Somit haben wir dann denselben Weg zurückgenommen, über den wir gekommen sind. Nur dann in Richtung Arapahoe Basin. Das ist ein Skigebiet, welches schon zu diesem Zeitpunkt offen war und auf dem wir ein paar Abfahrten machen wollten. Mit dem Auto ging es dabei dann auf bis zu 3660 Meter Höhe, wo sich das Skigebiet befand. Durch die Kälte und Höhe merkte ich beim Aussteigen und nach ein wenig Rumlaufen schon, dass ich recht schnell mehr als sonst nach Luft schnappte.

Doch das Skifahren hatte sich sowieso erledigt, da in diesem Gebiet erst zwei Pisten offen gewesen sind und uns dies keine $67 wert war. Darum beschlossen wir, uns weiter in Richtung Westen zu machen. Als wir gerade los wollten, kam uns auf dem Parkplatz ein voll verkleidetes Auto entgegen. Bei dem Ding hat es sich höchstwahrscheinlich um einen Erlkönig gehandelt. Als dieser wieder weggefahren war, machten wir uns auf in Richtung unseres nächsten Etappenziels.

Wir haben uns entschieden, diese Route nicht über die Interstate (Autobahn) zu fahren, sondern quer durchs Land über Bundesstraßen. Und das wurde an diesem Tag auch mehr als belohnt. Es gab super Aussichten, verschneite Kleinstädte, unendliche Weiten auf einer Höhe von immer noch 3000 Metern und Straßen, die fast nicht befahren waren.

Links und rechts davon befanden sich Felder mit einer Handvoll Pferden oder Rindern. Doch diese Felder hatten jeweils die Größe von mehreren Fußballfeldern.

Als es zu dämmern anfing, haben wir uns in der nächsten Kleinstadt Buena Vista ein Motel gesucht, um dort die Nacht zu verbringen.

Den Abend hatte es schon bei unserer Ankunft geschneit und dementsprechend sah auch das Auto am nächsten Morgen aus. Ohne Kratzen ging da nicht wirklich viel. Damit fertig, machten wir uns zusammen mit der Sonne im Rücken weiter auf in Richtung Westen. Auf dem Weg gönnten wir uns noch beim ersten Diner ein kleines Frühstück. Schließlich hatten wir bis auf eine angefangene Tüte Jelly Beans nichts weiter.

Gestärkt ging es dann weiter quer durch die Rocky Mountains in Richtung Arches National Park. Auf dem Weg haben wir zwischen 3500 und 1500 Höhenmetern so ziemlich alles an Wetterlagen und Temperaturen gehabt. Und ganz nebenbei wieder eine Landschaft vom Feinsten zu sehen bekommen.

Abends gegen halb sieben sind wir am Nationalpark angekommen. Wir hatten vorher noch überlegt, wo wir wie übernachten wollten. Zur Auswahl standen dabei Auto oder Zelt. Das wo hat sich in der Hinsicht geklärt, dass wir noch am selben Abend in den Park gefahren sind. Da dort aber der Campingground vollkommen ausgebucht war, haben wir unseren Wagen etwas weiter auf einem Parkplatz geparkt und uns in diesem häuslich eingerichtet.

Nach einer etwas kalten Nacht im Auto ging es am nächsten Morgen zusammen mit dem Sonnenaufgang mitten durch den Nationalpark. Am Anfang der Route gab es noch einen etwas eindeutigen Weg, der einem zeigte, wo es entlang ging. Als es etwas später keinen eindeutigen Weg mehr gab und man entlang der verschiedenen Felsen klettern musste, zeigten einem sogenannte Steinmännchen den Weg. Dies waren ein paar aufeinander gestapelte Steine. Diese waren eine absolute Hilfe, da man sonst irgendwann mitten im Nirgendwo gelandet wäre und unter Umständen den richtigen Weg nie gefunden hätte.

Durch diese kleinen Helfer haben wir die große Runde im Norden des Parks geschafft und zurück zu unserem Auto gefunden. Dann sind wir noch zu dem einen oder anderen Arch (Bogen) gefahren und haben diese dann auch noch bestiegen. Wenn man dann dort oben ganz alleine sitzt, werden einem erst einmal die riesigen Ausmaße bewusst.

Das auch geschafft, ging es entlang der Bundesstraßen weiter in Richtung Süden. Auf diesen hunderten von Kilometern begegnete uns das ein oder andere Haus, welches sich mitten im Nirgendwo befand, wieder die ein oder andere größere Stadt und natürlich die absoluten Weiten, die irgendwo am Horizont verschwanden.

Bevor die Sonne unterging, machten wir wieder einen Zwischenstopp in einem der vielen Motels, die uns auf dem Weg begegneten.

Diese Nacht auch überstanden, ging es Richtung Grand Canyon. Doch es musste definitiv vorher noch ein kleiner Abstecher zu den „Four Corners“ gemacht werden. Dort treffen die vier Bundesstaaten Arizona, New Mexico, Utah und Colorado zusammen. Und ganz nebenbei ist dort auch gleich eine Zeitzonengrenze gewesen. Bei Lutz war es 8 Uhr morgens, und ich hatte mal noch ne ganze Stunde Zeit, bis es bei mir auch soweit gewesen ist.

Auch wenn wir nun eine Stunde gewonnen hatten, brachte uns das nur recht wenig, da wir vor dem Sonnenuntergang unten im Grand Canyon sein wollten. Denn im Dunkeln wandern ist nicht ganz so dolle.

Wir sind auch um kurz nach ein Uhr im Grand Canyon Village angekommen. Zuvor haben wir noch das ein oder andere an Sachen zusammengepackt, bevor wir uns auf einen 10-Kilometer-Marsch bergab machten. Es galt nun einen Höhenunterschied von etwas über 900 Metern zu überwinden. Was uns mit etwas über 1000 Metern über dem Meeresspiegel zumindest schon mal auf den tiefsten Punkt seit unserer Landung in Denver brachte.

Nach etwas über zweieinhalb Stunden Fußmarsch haben wir es eine Stunde vor Sonnenuntergang geschafft, unten anzukommen. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, haben wir uns auch gleich auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unser Zelt gemacht. Dieser war zwischen den vielen stachligen Büschen auch irgendwann gefunden.

Als wir mit dem Aufbau des Zeltes fertig waren, sahen wir den Vollmond hinter den Bergen aufgehen. Dieser erhellte das gesamte Tal, sodass wir draußen nicht wirklich eine Taschenlampe benötigten. Wir konnten sogar Schattenspielchen machen.

Nachdem die Nacht im Zelt um halb sechs zu Ende war, packten wir alles zusammen und genossen den Sonnenaufgang über dem Grand Canyon.

Nach diesem einzigartigen Erlebnis mussten wir auch den Weg, den wir nach unten zurückgelegt hatten, wieder zurück nach oben laufen. Bei einer durchschnittlichen Steigung von knapp 10 Prozent war das schon verdammt hart, zumal die Rucksäcke nicht die leichtesten waren.

Nach knapp drei Stunden oben angekommen, waren wir absolut glücklich und gleichzeitig total erledigt.

In diesem Zustand machten wir uns auf in Richtung Flagstaff. Im Motel angekommen, haben wir uns einer Komplettreinigung unterzogen und ganz entspannt den Tag ausklingen lassen.

1 Beitrag zu “Zwischen Hinterland und mitten im Nirgendwo”

  1. Echt schöne Bilder! Da wird man ganz schön neidisch! Aber eins noch, das war nicht nur höchstwahrscheinlich ein Erlkönig, sondern definitiv! Ach und noch was, Bierstadt? 😉 Viel Spaß weiterhin, und mehr Diner Bilder bitte! 🙂

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