Die letzte Woche unserer Reise stand im Zeichen der Rückkehr zum Ausgangspunkt. Hier sind wir es ganz entspannt angegangen, denn unsere Schuhe drohten schließlich schon fast in sich zusammenzufallen, wenn sie das sportliche Programm der letzten Wochen noch hätten fortführen müssen.

Aus diesem Grund verschlug es uns in den Regionalpark Mont Ham. Hier gab es neben den vielen Wanderwegen auch einen Bereich, in dem man Diskgolf spielen konnte. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein wenig kam es einem auch wie Ostern vor. Wir waren mitten im Wald und mussten für die neun „Löcher“ jedesmal versuchen, den Startpunkt zu finden. Wenn wir diesen hatten, mussten wir aber noch das Ziel ausfindig machen. Da hat es sich durchaus gelohnt, eine Kamera mit Zoom dabei zu haben. Denn die Zahlen waren über die Distanzen manchmal mit unseren Augen nicht mehr wirklich gut zu erkennen. Es ist auf jeden Fall ein lustiges Spiel, bei dem man die Zeit vergessen kann. Da wir aber noch hoch auf den Berg wollten, haben wir es bei zwei Durchgängen belassen.

Für den Weg nach oben haben wir uns für den direkten Weg entschieden. Dieser war daher aber auch der steilste von allen gewesen. Anfänglich war dieser noch mit ein paar Stufen und etwas steileren Wegen verbunden, wo man den ein oder anderen noch entspannt überholen konnte. Darunter war sogar eine ältere Dame, der man angesehen hatte, dass ihr das nicht gerade leicht fällt. Doch sie hat zusammen mit wahrscheinlich ihrer Tochter dem steilen Anstieg getrotzt. Irgendwann später gab es aber Stellen, die fast senkrecht verliefen und nur mit Hilfe von Seilen zu erklimmen waren. Da mussten wir dann grübeln, ob und wie die beiden Damen diesen Teil wohl meistern. Auch wenn dieser Weg nach oben nur knapp zwei Kilometer lang war, hat es doch schon ordentlich gedauert, bis wir oben waren. Aber für die Aussicht hat es sich gelohnt. Und schließlich hat das ganze Klettern auch seinen Reiz.

Auf einem anderen Weg nach unten war es recht ähnlich. Dieser hatte ein wenig den Stil eines trockenen Flussbettes. Man musste sich von Stein zu Stein seinen Weg nach unten bahnen. Auf halber Strecke sahen wir vor uns einige Erwachsene mit ihren Kindern. Die Kleinen hatten einen ordentlichen Speed drauf, so dass wir mit ihnen immer auf gleicher Höhe waren und uns dabei sicher fühlten, da je einer vor und hinter uns war.

Sicher haben wir uns aber auch im Gorge Park am nächsten Tag gefühlt. Denn dieser bot keinerlei Möglichkeiten, unbeabsichtigt irgendwo abstürzen oder sich die Beine zu brechen. Denn hier ging es ganz entspannt Wege entlang, die eine Steigung hatten, von der die Dame am Vortag nur träumen könnte. Das Schwerste waren die kleinen Rätsel entlang des Weges. Hier galt es als erstes herauszufinden, was die überhaupt von einem wollten. Und da wir nicht einmal das herausbekommen haben, machte es das Lösen nicht leichter. Am Ende haben wir aber erfahren, dass diese Aufgaben nur mit Hilfe eines Smartphones und der passenden App zu lösen waren. Das hatte uns dann doch etwas erleichtert. Hatten nä(h)mlich schon gedacht, dass wir zu dä(h)mlich für diese Aufgaben waren, die durchaus für die ganze Familie gemacht wurden.

Mit dem Wissen, nicht an einem Kinderquiz gescheitert zu sein, ging es nach Montréal zu unserer Unterkunft. Diese haben wir gewählt, weil sie für die zwei Nächte recht günstig war, eine ordentliche Größe hatte und einfach schon so verrückt dekoriert war, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollten. Wie es aber immer so ist, wenn man nicht alles liest, gibt es hinter solchen Angeboten immer einige Überraschungen. Die erste Überraschung war, dass Booking auch einen auf Airbnb macht. Der Raum war im Souterrain eines Einfamilienhauses, welches auch von unserer Gastgeberin bewohnt war. Das zweite Lustige war die Deckenhöhe. Es gab nur zwei Stellen im Keller, an denen Lutz und ich gerade so noch aufrecht stehen konnten. Das war einmal vor der Badtür, und die andere Stelle war vor dem Klo. Die restlichen Bereiche waren nicht höher als 180 Zentimeter. Mit angeschrägtem Kopf oder einem krummen Buckel konnte man sich dort unten aber irgendwie fortbewegen.

Am nächsten Tag haben wir uns dann mit der U-Bahn auf in Richtung Innenstadt gemacht. Wir waren ja vor ein paar Jahren auf unserem Trip durch Neuengland schon einmal in Montréal gewesen, somit kannten wir uns dort auch schon recht gut aus und haben uns auch an die ein oder andere Stelle mit der ein oder anderen komischen Aktion erinnern können. Natürlich gehörte auch wieder der Sonnenuntergang auf dem Berg des Parc du Mont-Royal dazu. Auf den vielen Stufen nach oben sind uns diesmal nicht wirklich allzu viele sportbegeisterte Menschen begegnet, wie es beim letzten Mal der Fall war. Das hat uns aber nicht gestört, denn nach den gut 15 Kilometern Fußmarsch durch die Stadt hat man sich somit unter den ganzen Leuten wenigstens so gefühlt, dass man wenigstens an dem Tag etwas für seine Fitness geleistet hat.

Da der Weg Richtung Niagara Falls und seinen berühmten gleichnamigen Wasserfällen doch einiges an Kilometern Strecke war, konnten sich unsere Füße auf dem Weg dorthin mal wieder ein wenig entspannen. Keiner von uns beiden war mal live vor Ort gewesen. Wir haben uns auf dem Weg dahin verschiedene Szenarien mit den Infos aus dem Netz zusammengestellt, was uns da genau erwarten wird.

Eines erst einmal vorweg: Von der kanadischen Seite aus hat man definitiv die bessere Sicht drauf. Ich persönlich war am Ende nicht wirklich enttäuscht, aber würde jetzt niemanden empfehlen, extra dafür einen Umweg zu machen. Es ist ein recht normaler Wasserfall, wie man ihn auch an anderen Stellen der Welt zu sehen bekommt, nur halt etwas breiter. Der kanadische Teil der Stadt, zumindest der Teil, der sich an den Wasserfällen befindet, ähnelt ein wenig Las Vegas: jede Menge Hotels, Spielhallen und andere Vergnügungseinrichtungen. Eines davon war ein Haunted House, welches nicht nur vor Halloween geöffnet hat. Das Lustige daran war, dass es stockdunkel war. Man konnte sich nur an kleinen, rot leuchtenden Punkte orientieren, denen man folgen musste. Das wiederum war aber recht genial, da man nie wirklich wusste, wo der nächste Schreckensmoment auf einen wartete. Lutz war da offenkundig nicht allzu begeistert drüber. Auch nicht, als ich mich in einem „unbeobachteten“ Moment von ihm entfernt hatte und er nicht mehr wusste, wo ich war. Ich habe ganz kurz überlegt, ob ich ihm neben den ganzen anderen Schreckensmomenten auch nochmal so richtig das Herz in die Hose rutschen lassen sollte. Habe mich aber anständigerweise dagegen entschieden. Trotz wackliger Knie hat er dann den ersten Teil auf dem Weg Richtung Toronto ordentlich gemeistert.

Dort ging es dann am nächsten Morgen vor unserem Abflug zum CN Tower. Den hatten wir ja aufgrund von schlechtem Wetter zu Beginn unserer Reise erst mal ausgelassen und auf den letzten Tag verlegt. Das wurde auch mit strahlendem Sonnenschein belohnt. So konnten wir die Aussicht beim Edge Walk auch umso mehr genießen. Denn schließlich möchte man ja gerne den Boden sehen, wenn man sich in 356 Metern Höhe im Freien in einer Schräglage à la Michael Jackson über dem Abgrund befindet, nur durch ein Seil gesichert.

Am Flughafen standen am Ende 4400 Kilometer mehr auf dem Tacho. Auch wenn sich Kanada und die USA in vielen Dingen ähnlich sind, verzichten sie doch verständlicherweise auf die Längeneinheit Meilen. Was uns aber anderes hier in Kanada (hauptsächlich aber im Bundesstaat Québec) aufgefallen ist, waren die ganzen Zelte für Autos vor, neben oder hinter den Häusern. Das ist wahrscheinlich die billige Variante, wenn das Geld für eine Garage nicht mehr gereicht hat. Denn an vielen Stellen wäre noch locker Platz dafür gewesen. Laut Aussage eines ehemaligen Polizisten aus Québec sollen diese Zelte hauptsächlich vor Häusern von Italienern stehen, die alles darin unterstellen, nur nicht ihre Autos. 🙂

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