Auf dem Weg nach Boston landeten wir in Frankfurt am Main zum Umsteigen. Unterwegs zur endgültigen Parkposition fiel mir der Siegerflieger unserer Fußball-Nationalelf auf, dem wir beim Marsch zu unserem Abfluggate auch immer näher kamen. Ich hoffte schon, dass wir mit der Fanhansa fliegen werden, doch diese stand schließlich leider ein paar Gates weiter entfernt. Somit wurde aus dieser Sache nichts. Wir flogen dann mit einer 747, die auf den Namen „Bayern“ getauft war. Hat aber kein Unglück gebracht.

In Boston angekommen haben wir unseren fünftürigen Ford Fiesta abgeholt und uns gleich in Richtung Hampton Beach aufgemacht. Das Ganze wirkte abends doch recht ausgestorben. Hier werden scheinbar nach Sonnenuntergang die Bürgersteige hochgeklappt. Naja, schließlich haben sich die warmen Tage dort für dieses Jahr verabschiedet. Es waren an dem Abend gefühlt Temperaturen im unteren einstelligen Bereich. Wir fanden aber eine Bar, die noch geöffnet und Essen im Angebot hatte. Zwischen den fünf riesigen Flatscreens an der Wand, auf denen natürlich verschiedene Spiele der NFL übertragen wurden, waren auch hunderte von 1$-Scheinen an die Wände getackert. Der ganze Laden war mit den Teilen gepflastert. Die Besucher signieren ihre Scheine und hauen diese anschließend an die Wand. Wir haben mal so grob auf einen unteren vierstelligen Betrag getippt.

Die vollen Bäuche vor uns bis ins Motel hergeschoben, versuchten wir solange wie möglich durchzuschlafen, um den Jetlag recht schnell unter Kontrolle zu bekommen. Doch es war nicht leicht, da es in diesem Motel diverse Geräusche gab, die sich in regelmäßigen Abständen in immer wieder der gleichen Reihenfolge wiederholten. Daher war bei mir auch die Nacht um drei Uhr morgens zu Ende. Lutz hat es ein wenig länger ausgehalten. Ist eben die Schlafmütze von uns beiden.

Das Ganze hatte aber den Vorteil, dass wir uns zum Sonnenaufgang um 7 Uhr nicht aus dem Bett quälen mussten. Wenn man schon direkt am Atlantischen Ozean ist, sollte man diese Möglichkeit auch nutzen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Bis auf ein paar Wolken direkt am Horizont war es komplett wolkenlos. Und dementsprechend kalt war es auch wieder. Aber das hat uns nicht umgehauen. Wir haben uns danach auch gleich auf den Weg zu Pat’s Diner gemacht, um einen Sonntagmorgen typisch amerikanisch mit Eiern, Speck und Toast zu beginnen.

Entlang der Straßen gab es immer etwas zu sehen. So auch einen großen Flohmarkt. Dort gab es jede Menge Zeug zu kaufen, bei dem sich immer wieder die Frage stellte, wer das überhaupt benötigt. Doch es waren auch die ein oder anderen interessanten Sachen dabei, die aber für eine Überführung nach Deutschland zu groß für unsere Taschen waren. Daher blieben diese auf dem Flohmarkt und das Geld in unseren Taschen.

In Gloucester endlich angekommen, mussten wir feststellen, dass die Whalewatching Tour wegen zu rauer See abgesagt wurde. So schade dies auch war, benötigten wir eine Alternative. Diese war nach kurzer Recherche schnell gefunden. Es ging in den Pawtuckaway State Park. Dort konnte man ein wenig wandern, was zu dieser Jahreszeit besonders interessant ist, da sich die Blätter der Bäume in den unterschiedlichsten Farben zeigen. Dieser Indian Summer ist typisch für Neu England. Das war auch der Grund für uns, genau zu dieser Zeit hierher zu kommen.

Da wir aber noch etwas tiefer in dieses faszinierende Farbspektakel eintauchen wollten, ging es am nächsten Tag weiter in Richtung des White Mountain National Forest. Dort gibt es eine sehr schöne Straße, die auf den Namen Kancamagus Highway hört. Auf diesen ca. 100 Kilometern gibt es jede Menge Wanderwege. Lutz hatte gelesen, dass der Boulder Loop Trailauf einen Berg führt, von dem man eine super Aussicht über das Ganze hat. Dieser Weg verläuft, wie der Name schon sagt, im Kreis. Am Anfang überlegten wir noch kurz, ob wir links oder rechts auf den Berg hochlaufen sollten und entschieden uns dann für die rechte Seite. Nach einer Viertelstunde meinte Lutz, dass er froh sei, diesen Weg genommen zu haben, da es hier ja den Berg hinauf geht und dieser anstrengende Teil lieber am Anfang gemacht werden sollte statt am Ende. Als er seinen Fauxpas bemerkte, bat er die Geschworenen, diese Aussage zu ignorieren.

Oben angekommen hatten wir eine großartige Aussicht über die riesige Ansammlung unterschiedlichster Baumarten, welche in verschiedensten Farben ihren letzten Dienst für dieses Jahr erwiesen. Zwischen den ganzen Steinen dort oben sind wir auf eine kleine Plastebox gestoßen, in der sich neben ein paar Kleinigkeiten auch ein Logbuch befand. Der letzte Eintrag war schon gut ein Jahr her. Somit wird man also ungewollt zu einem Geocacher.

Es gab zu meiner Freude auch eine schöne hohe Felswand, an der ich wieder gerne ein wenig meine Beine baumeln ließ. Als Lutz das sah, durfte ich mir in einem forschen Ton etwas anhören. Das hat sogar der Elch drei Berge weiter gehört.

Auf dem Weg nach unten (bin ich froh, dass wir diesen zum Schluss gemacht haben ;-)), unterhielten wir uns angeregt, wie weit eigentlich jeder gehen kann, ohne sich wegen Selbstüberschätzung in Gefahr zu bringen. Da diese Grenze bei jedem eine andere ist, konnten wir uns nicht so ganz einig werden.

Im Motel angekommen haben wir wie immer unsere Klamotten aus dem Auto geräumt. Und zum wiederholten Mal fanden wir Hinterlassenschaften des Vormieters. Scheinbar hat die Autovermietung das Teil von innen nicht sauber gemacht, sonst wäre ihnen folgende Sachen in die Hände gefallen: eine Auto-Saubermach-Bestätigung, ein Parkschein, ein kleines Zuckertütchen, ein Oberteil einer aufgerissenen Verpackung, ein kleiner Keks mit Käse drauf, ein Plastespieß, ein Kamm, 36 Cent und ein iPad. Und das ist nur der Stand nach drei Tagen.

Am nächsten Morgen ging es für uns zurück nach Berlin. Doch in diesem Kaff in Vermont ist die Zeit irgendwie vor 1989 stehen geblieben. Anders konnten wir uns den Namen des Stadtteils West-Berlin nämlich nicht erklären. Die eigentliche Hauptstadt von Vermont war es aber nicht. Dies war ein paar Kilometer weiter das kleine Montpelier. Wenn es nicht das Capitol hier geben würde, wäre niemandem aufgefallen, dass von hier aus Vermont regiert wird.

Da wir sehr gerne Ben&Jerrys-Eis essen, durfte bei unserem Aufenthalt in Vermont ein Besuch in deren Hauptsitz nicht fehlen. Hier wird es produziert. Bei der Rundführung gab es einen Einblick in die Fabrik mit den einzelnen Produktionsschritten. Lutz hätte sogar fast dort anfangen wollen zu arbeiten, denn die Konditionen für die Mitarbeiter waren einfach unschlagbar: drei große Becher pro Tag für lau.

Weiter ging es nach Burlington. Diese Stadt hat uns beiden sehr gut gefallen. Diese hatte ein gewisses Etwas, egal ob am Nachmittag oder abends. Es waren überall Leute zu sehen. Ob beim Joggen, im Park beim Yoga, beim Spazierengehen, mit den Kindern draußen beim Spielen oder was auch sonst noch so draußen gemacht werden kann. Hier hat man sich nicht allein gefühlt. Das ist mir nur sehr selten in Städten der USA aufgefallen. Daran erkennt man, dass es hier schon ein wenig europäisch geprägt ist.

Dies hat uns wieder gezeigt, was uns schon in den letzten Tagen aufgefallen ist: In New England ist alles etwas anders. Das höchste Gebäude einer Stadt ist maximal die Kirche. Auf den Straßen sind nicht nur Autos, sondern auch jede Menge Menschen zu sehen. Fastfoodketten gibt es nur selten. Eine Ausnahme bildet aber Dunkin‘ Donuts. Das gibt es im Vergleich zu anderen Ketten gefühlt im Verhältnis von 10:1.

2 Beiträge zu “Hier ist alles etwas anders”

  1. Schöner Bericht. Ich hätte gern jede Sorte Ben&Jerrys einmal mitgebracht 🙂
    Viel Spaß euch weiterhin und bleibt schön schreibfleißig.

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