Nach all den Reisen, die wir schon zusammen gemacht haben, ging es diesmal also nach Vietnam. Los ging’s ganz unspektakulär abends in Berlin, Zwischenstopp in Istanbul, und irgendwann standen wir in Saigon, oder Ho Chi Minh Stadt, wie sie hier ebenso selbstverständlich sagen. Beide Namen sind im Umlauf, und niemand scheint sich so recht entscheiden zu wollen, welcher nun der richtige ist. Der Name allein ist schon ein kleiner Zungenbrecher, aber das sollte nicht unser größtes sprachliches Problem bleiben.  

Bei der Einreise lief alles ganz normal, eine Stunde anstehen, wie an jedem anderen Flughafen auch, aber sonst völlig problemlos. Das Gepäck war da, keiner hat gemeckert, und so saßen wir bald im Taxi Richtung Apartment. Dort angekommen gab’s nur einen Gedanken: Duschen. Endlich wieder das Gefühl, ein Mensch zu sein. Frisch gewaschen und mit halbwegs klarem Kopf ging’s dann raus, schließlich wollten wir wissen, wo wir hier eigentlich gelandet sind.  

Schon nach ein paar Metern war klar: Hier pulsiert das Leben. Und zwar auf zwei Rädern. Motorroller, wohin man schaut, hunderte, tausende, ein einziges Gewusel, das an einen riesigen Ameisenhaufen erinnert. Jeder fährt kreuz und quer, es wird gehupt, gedrängelt und überholt,, und doch scheint das alles einer geheimen Ordnung zu folgen, die nur die Einheimischen wirklich verstehen.   

Wir sind also einfach mal losgelaufen, die Straße runter, vorbei an kleinen Läden, Garküchen und allem, was irgendwie nach Essen aussah. Doch wir verstanden rein gar nichts.  

Fast alles hier ist auf Vietnamesisch. Und wenn man glaubt, mit ein paar englischen Brocken weiterzukommen, merkt man schnell, dass man es nicht tut. Also blieb nur Google Translator. Der hat uns immerhin ab und zu das Gefühl gegeben, halbwegs zu verstehen, was hier angeboten wird. Doch das klappt hier leider auch nicht immer so zuverlässig. Oder kennt jemand von euch Gerichte, wie zum Beispiel „Schöner Wasserstift“, „Zwiebelbezirk“ oder „Gebrochener Reis mit Kotelett-Problem“? 

Zwischendurch hat uns dann noch ein kurzer Regenschauer überrascht. Willkommen in der Regenzeit!? Denn was anderes war für Saigon in den letzten Wochen und den nächsten Tagen in den Wetter-Apps einfach nicht angezeigt. Solange es aber nur bei solchen kurzen Ereignissen bleibt, können wir damit leben.  

Irgendwann kam der Hunger. Also einfach irgendwo rein, Hauptsache, es sah einigermaßen vertrauenswürdig aus.  

Auch hier war es übrigens genauso wie bei fast allen anderen Orten, wo Stühle und Tische zum Verweilen angeboten wurden: Sie sind sehr klein. Als 1,90 m großer Europäer fühlt man sich ein bisschen wie Gulliver in der Welt der Zwerge.  

Als wir es schafften, auf diesen winzigen Stühlen irgendwie Platz zu nehmen, brachte der Kellner uns die Karte, und wir verstanden wieder nichts. Er lächelte, wir lächelten, keiner verstand den anderen, aber irgendwie war’s nett.  

Nach kurzer Zeit kam dann doch noch eine Karte mit englischen Bezeichnungen, wobei „englisch“ hier wohl eine kreative Eigeninterpretation war. Vieles klang nach Seafood, was nicht ganz unser Favorit war. Also nahmen wir irgendetwas, das nicht nach Fisch klang.   

Das, was wir dann vor uns hatten, war schwer zu beschreiben. Eine Schale mit Nudeln, ein paar Minzblätter, Sojasprossen und etwas, das aussah wie Frühlingsrollen, aber definitiv nicht so schmeckte. Daneben ein kleines Schälchen mit Soße. Ich hab die Nudeln mit den Stäbchen (Messer gibt’s hier nicht, höchstens einen Löffel) einfach in die Soße getunkt und gegessen. Der Kellner beobachtete mich kurz, kam dann freundlich lächelnd her und zeigte mir, wie man das „richtig“ macht: Er kippte die Soße einfach komplett in die große Schüssel, rührte alles kräftig durch und nickte zufrieden. Und was soll man sagen: Es schmeckte wirklich gut, auch wenn wir bis heute nicht genau wissen, was wir da eigentlich gegessen haben.  

Draußen tobte weiter das Verkehrschaos. Roller, wohin man schaut. Ampeln gibt es hier zwar, und sie zeigen auch zuverlässig ihre Farben an, nur scheint das kaum jemanden zu interessieren. Selbst wenn du als Fußgänger Grün hast, brausen Motorräder und Autos einfach weiter über die Kreuzung. Anfangs steht man dann da, wartet brav und denkt, gleich wird’s schon frei. Wird’s aber nicht. Also bleibt am Ende nur eins: einfach loslaufen. Und siehe da, sie halten tatsächlich an oder schlängeln sich um dich herum. Ein seltsames Gefühl am Anfang, aber erstaunlich schnell merkt man, dass das System irgendwie funktioniert.  

So endete also unser erster Abend in Vietnam: satt und leicht überfordert.  

Am nächsten Morgen waren wir im „Guten Morgen Café“. Der Besitzer erzählte uns, dass er zwei Jahre in Eberswalde gelebt hatte. Doch das Heimweh war stärker. Also arbeitet er nun wieder hier.  

Mit Kaffee und Kakao gestärkt, liefen wir weiter durch die Innenstadt und ließen sie auf uns wirken. Später machten wir auf einer Treppe kurz Pause, als uns ein Vietnamese ansprach. Wir plauderten ein bisschen, lachten viel, verstanden nur die Hälfte, aber das reichte völlig. Zumindest verstanden wir mehr als kurze Zeit später bei dem vietnamesischen Teenie-Promi JSOL, als dieser zu seinen Fans sprach. Zufällig kamen wir vorbei, als er mitten in der Innenstadt auf einer kleinen Bühne stand und ein paar seiner Songs performte. Vor der Bühne waren einige Fans von ihm, die mitsangen und jubelten. Er ist im Internet ein richtiger Star. Vielleicht sogar der nächste Justin Bieber!?  

Am nächsten Morgen waren wir überrascht, dass sich die Sonne endlich mal wieder blicken ließ. Seit unserer Ankunft hatte sie sich komplett versteckt. Wir machten uns daher trockenen Fußes auf zum Hafen, um mit dem Boot den Saigon River hinaufzufahren, Richtung Norden.  

Die Fahrt dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. Doch kaum waren wir oben angekommen und ausgestiegen, war es das auch schon wieder mit dem guten Wetter. Es fing an zu regnen. Zum Glück dauerte der Schauer nur zehn Minuten.  

Mit der abziehenden Regenfront konnten wir nun endlich starten. Als erstes mussten wir auf die andere Seite des Flusses kommen, was einfacher klang, als es war. Die nächste Brücke war zwar schnell gefunden, aber für Fußgänger verboten. Also standen wir da und überlegten kurz, wie wir ohne mehrstündigen Umweg auf die andere Seite kommen konnten. Wir haben dann gesehen, dass dort auch Busse rüber fahren. Es blieb uns ja nichts anderes übrig. Somit haben wir für eine Station auch mal die Öffis von Saigon ausprobiert.   

Von dort aus ging es weiter Richtung Süden, zurück in die Stadt. Drei Stunden waren wir ungefähr unterwegs. Am Ende des Tages zeigte der Schrittzähler fast zwanzig Kilometer an.  

Am nächsten Tag waren es dann deutlich weniger Schritte, denn es ging mit dem Bus weiter von Saigon nach Phan Thiet. Es war ein echter Luxusliner. Drinnen konnte man nicht nur sitzen, sondern auch schlafen, denn es war ein Liegebus. Es gab drei einzelne Reihen. Ein bisschen wie im Flugzeug, nur gemütlicher.  

Die Fahrt dauerte etwa dreieinhalb Stunden und führte uns raus aus der Großstadt.   

Im Hotel angekommen, liehen wir uns auch gleich einen Motorroller aus. Hier als Nicht-Vietnamese damit herumzufahren, ist wesentlich angenehmer, denn die Anzahl der Roller hat sich im Vergleich zu Saigon extrem dezimiert. Somit war die Fahrt zum Strand absolut entspannt.  

Das Meer war angenehm warm und der Strand fast menschenleer.  

Nach dem Baden ging’s zurück ins Hotel, kurz frisch gemacht und dann weiter in die Innenstadt. Dort suchten wir uns wieder etwas zu essen. Natürlich war es wieder eine kleine Überraschung, was uns da erwartete. Es gab irgendwelche durchsichtigen, runden, plastikartigen Plättchen. Sie stellten sich als Reispapierrollen heraus. Dazu gab es noch einiges anderes an Soße, Gemüse und Beilagen. Diesmal fragten wir, wie man das essen muss. Es war recht einfach, da man sich mit den Beilagen seine eigene Art Frühlingsrollen bastelte. Das Ganze kostete pro Gericht gerade einmal 50 Cent. Wir dachten schon in Saigon günstig gegessen zu haben, doch das war definitiv nicht der Fall.  

Da wir ja, im Gegensatz zu Saigon, nun Motorroller hatten, machten wir uns am nächsten Tag auf zu den etwa 20 Kilometer entfernten Red Sand Dunes. Die Dünen sind jetzt nicht vergleichbar mit denen der Sahara, aber es hat doch Spaß gemacht..

Nur Sand unter den Füßen zu haben, ist natürlich auch was schönes, doch gepaart mit Wasser ist das schon etwas, was definitiv nicht zu verachten ist. Diese Kombination, die sich Strand nennt, suchten wir dann auch als nächstes auf. Mit dem Motorroller kann man ja glücklicherweise recht flott überall hinfahren. Dort verbrachten wir ein bisschen den Nachmittag, bevor wir wieder zurückfuhren und den Tag ganz entspannt ausklingen ließen.

3 throughts on "Hier herrscht Ordnung im Chaos"

  1. Frieda freut sich schon, wenn sie euch dann beim Doppelkopf auch mit „Schönem Wasserstift“ oder „Gebrochenem Reis mit Kotelett-Problem“ verköstigen darf. Mal sehen was sie sich darunter so vorstellt.

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