Mit Burlington im Rücken ging es diesmal nicht über irgendeine Staatengrenze, sondern über die Landesgrenze nach Kanada. Dort wurden einem wieder die typischen Fragen wie am Flughafen gestellt. Aber darin waren wir ja schon geübt, sodass wir weiter durften. Jetzt mussten wir uns an zwei Dinge gewöhnen. Da war zum einen die Sprache. In diesem Teil des Landes wird Französisch gesprochen. So konnte Lutz endlich mal zeigen, was er gelernt hat. Das andere war das komische metrische System. Jetzt waren die Geschwindigkeitsangaben nicht mehr in Meilen pro Stunde, sondern in Kilometer pro Stunde angegeben. So kam es doch anfänglich vor, dass wir schneller waren als erlaubt.

Nach einer guten Stunde hatten wir die Skyline von Montréal vor uns. Solch große Gebäude waren wir in der letzten Zeit gar nicht mehr gewohnt. Das Auto vor dem Hotel abgestellt, entschieden wir, uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. Mit der Metro ging es bis in die Innenstadt. Von dort ging es zu Fuß weiter. Wenn ich Lutz‘ Aussage glauben soll, dann sind wir an diesem Tag einige tausend Kilometer gelaufen. Oberirdisch sieht man aber einfach mehr als unter der Erde. Wobei das bei dieser Stadt nur so halb stimmt. Hier gibt es unter Downtown eine kleine Stadt für sich. Da sind jede Menge Shops, Restaurants und alles, was es auch über der Erde gibt. Wenn man in eine Shoppingmall geht und in die dritte Etage will, befindet man sich gleich in dieser. Hier ist die erste Etage irgendwo unten im „Keller“.

Irgendwann haben wir auch wieder aus der Stadt unter der Stadt rausgefunden, und da knurrte auch schon ein wenig der Magen. Die kanadische Spezialität hier ist eine sogenannte Poutine. Die gibt es an jeder Straßenecke. Sie besteht aus normalen Pommes Frites mit Käsestückchen und darüber gegossener Bratensauce. Selbst die Fastfoodketten haben dies in ihr Programm mit aufgenommen. Mal schauen, wann es der Döner bei uns so weit bringt 😉

Da wir jetzt wieder gestärkt waren, konnte der Fußmarsch weitergehen. Uns sind die unzähligen Kirchen überall aufgefallen, so dass wir uns auch mal eine von innen angeschaut haben. Da fühlte man sich wie ein Zwerg. Dieses Gefühl hatten wir auch am Hafen. Dort lachte uns die riesige AIDA an. Die ist an dem Morgen rückwärts in den Hafen eingefahren. Lutz wollte unbedingt in die Nähe des Schiffes, doch leider gab es dort Einlasskontrollen. Ich vermute, dass er sich nur vor der Distanz bis zu Formel-1-Rennstrecke drücken wollte. Vielleicht hätte ich meinerseits als Ausrede den Vogelschiss auf meiner Jacke nehmen sollen. Denn die ganzen Vögel dort machen vor nichts halt. Letztendlich haben wir dieses Problem mit etwas Wasser beseitigen können, sodass es ohne weitere Probleme bis zur Rennstrecke zum Großen Preis von Kanada weitergehen konnte.

Als wir endlich in der Boxengasse angekommen waren, war die Sonne auch schon hinter dem Horizont untergegangen. Da aber noch ein Abstecher auf den Mont Royal geplant war und unsere Füße doch mal ne kurze Auszeit brauchten, sind wir mit der Metro wieder in die Innenstadt gefahren. Von dort aus war es nicht mehr weit bis zu den Treppen, die bis nach oben auf den Berg führten. Doch als Person, die die Treppen so hochläuft, wie sie es als Kind gelernt hat, fällt man ziemlich auf. Die Treppen wurden an diesem Abend von jeder Menge einzelnen oder in einer ganzen Gruppe befindlichen Joggern zum Trainieren genutzt. Dort wurden die Treppen vorwärts, rückwärts, hüpfend, auf allen Vieren kriechend und noch in zig anderen Varianten bestiegen. Das hat uns aber kalt gelassen, da wir an diesem Tag schon mehr Kalorien verbrannt hatten als alle dort zusammen. Wir wollten einfach nur noch dort hoch, um die ganze Stadt, die wir bisher nur von unten gesehen hatten, mal aus einer anderen Position zu bestaunen. Für das riesige Lichtermeer hat es sich absolut gelohnt.

Bevor wir am nächsten Tag wieder zurück in die Staaten gefahren sind, haben wir uns beim Olympiastadium umgeschaut. Dort fanden 1976 die Olympischen Sommerspiele statt. Wir haben auch gleich unsere eigenen Spiele eröffnet. Es war dort ein überdimensionales Leiterspiel auf dem Boden aufgezeichnet. Als Spielfiguren haben wir uns ganz gut gemacht. Am Ende habe ich doch mit viel Glück und dem Pech von Lutz das Spiel für mich entscheiden können. Die Schawarma wird wieder mal lecker schmecken.

An dem Grenzübergang war wieder das nette Frage-/Antwortspiel mit den Beamten. Diesmal konnten wir die Skepsis etwas verstehen, da wir eine Route genommen haben, auf der sich noch nicht mal Fuchs und Hase gute Nacht sagen würden. Um nach Lake Placid zu kommen, gab es aber nicht allzu viel andere Routen als Möglichkeit. Jetzt fragt sich der eine oder andere, wieso dorthin.

Wenn man mit Montréal schon einen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele besucht hat, bleibt als logische Schlussfolgerung nur der Besuch eines Austragungsortes der Olympischen Winterspiele. Und das war Lake Placid. Es war ein kleiner beschaulicher Wintersportort. Anhand der ganzen Flaggen hat man auch sehen können, wer damals mit dabei war. Sowohl in Montréal wie auch hier wehte unter anderem die Flagge der ehemaligen DDR.

Von dort aus weiter bis nach Lake George folgte uns auch sehr gut zu erkennen der Indian Summer in seiner vollen Pracht. Der nächste Tag stand auch wieder im Zeichen der Natur. Da waren wieder die unglaublichen Farbvielfalten im Staat New York, der Mohawk Trail in Massachusetts oder Minigolf mitten in einem Maisfeld. Das Spiel entschied sich aber erst mit dem letzten Loch. Auch diese Schawarma wird mir schmecken.

Um Lutz wieder etwas aufzumuntern, ging es an dem Abend in ein Haunted House oder auch Geisterhaus. Auch wenn ich nicht ganz so schreckhaft angehaucht bin wie Lutz, war es schon richtig geil gewesen. Dort gab es 55 unterschiedliche Räume. Und jeder hatte ein anderes grusliges Thema. Dazu kam noch, dass man nie wusste, wer von den Gestalten in den einzelnen Räumen eine Puppenfigur war oder ein verkleideter Mensch, der einen gleich erschrecken wollte. Aber am Ende sind wir beide heil aus der Sache rausgekommen.

2 Beiträge zu “Der olympische Gedanke”

  1. Tolle Fotos und herrliche Farben der Bäume. Das eine Bild kann ich leider nicht richtig erkennen. Wer von euch beiden ist das denn mit dem dicken Bauch, der beim Rentnerschwimmen vor der gelben Leine rumturnt 😉
    Ich wünsche euch eine schöne zweite Woche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.