Von Tuy Hòa aus fuhren wir weiter mit dem Zug in Richtung Phong Nha. Die Fahrt dauerte etwa vierzehn Stunden. Abends um halb sieben fuhr der Zug los, und wir hatten ein eigenes Schlafabteil. Die Nacht ratterte gemächlich vorbei, und auch wenn man in so einem Zug natürlich nicht perfekt schläft, war es doch erstaunlich gemütlich. Am nächsten Morgen, gegen halb neun, erreichten wir den Bahnhof.
Bei unserer Unterkunft angekommen, erledigten wir erst einmal ein paar organisatorische Dinge, ließen Wäsche waschen und nahmen uns dann Fahrräder, die man dort unkompliziert ausleihen konnte. Mit denen sind wir dann in die Stadt gefahren, zu dem Bereich, an dem die Boote zur Phong-Nha-Höhle ablegen. Diese Höhle ist nur über das Wasser erreichbar. Zunächst ging es etwa eine halbe Stunde flussaufwärts.
Normalerweise fährt man mit dem Boot direkt in die Höhle hinein, da es sich um eine Wasserhöhle handelt. Man sieht dabei die Felsformationen vom Boot aus und kann weit hineingleiten. Doch diesmal war das nicht möglich. Durch die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage war der Wasserstand so stark gestiegen, dass der Zugang per Boot leider nicht möglich war. Das war auch der Grund, warum wir einen Großteil von Zentralvietnam auslassen mussten, da es in diesen Regionen zu den größten Überschwemmungen der vergangenen Jahrzehnte gekommen ist. Auf der Zugfahrt hatten wir bereits gesehen, dass weite Landstriche immer noch komplett unter Wasser standen.
Wir konnten daher nur den vorderen Bereich der Höhle zu Fuß betreten. Auf dem Weg hinein folgten uns zwei Männer. Zuerst vermutete ich, dass die uns begleiten. Aber ich dachte nur: Sollen die ruhig machen. Bei den ersten Schritten sah ich überhaupt nichts, bis ich ein Klickgeräusch hörte und auf einmal in der Höhle das Licht anging. Wer kann schon von sich behaupten, dass nur für ihn mal in einer Höhle das Licht eingeschaltet wird. Das alleine war schon ein atemberaubender Moment. Aber auch das, was wir nun zu sehen bekamen, war beeindruckend. Die Höhle war riesig, die Felsformen skurril und wunderschön zugleich. Das ganz alleine genießen zu dürfen, macht schon was mit einem.
Nach dieser beeindruckenden Besichtigung ging es mit dem Boot wieder zurück. Den restlichen Tag verbrachten wir entspannt. Wir fuhren noch etwas mit den Rädern durch die Stadt, suchten uns etwas zu essen und ließen den Abend ruhig ausklingen. Am nächsten Tag stand die Paradise Cave auf dem Programm, die größte Trockenhöhle Asiens, die komplett zu Fuß begehbar ist. Dafür liehen wir uns einen Motorroller aus und fuhren etwa dreißig Kilometer über Bergstraßen und durch Täler dorthin. Die Fahrt allein war schon ein Erlebnis. Die Berge hier sind komplett dicht bewachsen und sattgrün, die Landschaft wirkte fast unberührt.
An der Höhle angekommen, ging es zunächst ein gutes Stück bergauf bis zum Eingang und dann über viele Stufen wieder hinab in die Höhle hinein. Die Paradise Cave war noch einmal deutlich größer als die Höhle vom Vortag. Der Weg führte tief hinein, über Holzstege und Plattformen. Die Decke war an manchen Stellen richtig hoch über uns, bestimmt hundert Meter oder mehr. Alles war stimmungsvoll beleuchtet, und wir konnten fast einen Kilometer weit in die Höhle hineinlaufen. Zwar hat man diesmal nicht ausschließlich für uns das Licht angeschaltet, doch das hat überhaupt nichts an dem faszinierenden Eindruck geändert, die diese Höhle auf einen gemacht hat. Es fühlte sich ein bisschen an wie in einer anderen Welt. Eine ruhige, riesige, uralte Welt.
Am nächsten Tag mussten wir früh raus, denn unser Zug von Dong Hoi nach Thanh Hóa sollte um 8:22 Uhr abfahren. Also haben wir um sieben Uhr morgens ein Taxi genommen. Die Fahrt zum Bahnhof dauerte etwa eine Dreiviertelstunde, alles ganz entspannt. Wir kamen dort an, setzten uns hin und warteten, bis plötzlich unser Taxifahrer wieder auftauchte und meinte, dass heute wegen des Hochwassers gar keine Züge fahren würden.
Also ging es zum Schalter. Englisch sprach dort nicht wirklich jemand, höchstens ein paar Wörter. Auf einmal kam eine Frau dazu, die versuchte, Lutz die Situation zu erklären. Ich habe parallel auf allen möglichen Portalen nach Bussen gesucht, doch leider überhaupt nichts gefunden. In dem Moment dachte ich wirklich, wir sitzen fest.
Zum Glück hat die Frau uns geholfen. Erstmal wurden die Zugtickets storniert. Anschließend telefonierte sie eine ganze Weile und organisierte schließlich zwei Plätze in einem Bus für uns. Dafür waren wir unfassbar dankbar. Der Bus sollte auch schon so kurz nach zehn abfahren. Besser ging es überhaupt nicht. Bis dahin konnten wir unsere Rucksäcke bei ihr abstellen, und sind noch ein wenig durch Dong Hoi gelaufen. Als wir an einer Schule vorbeikamen, winkten uns sofort mehrere Schulmädchen zu. Auf dem Rückweg sahen sie uns wieder, riefen uns hinterher und wollten Fragen stellen. Ihr Englisch war besser als das vieler Erwachsener, also haben wir uns ein bisschen unterhalten. Währenddessen machten andere schon Fotos mit Lutz – schließlich sind wir beide knapp 1,90 Meter, und das fällt hier irgendwie immer auf.
Zurück bei der Frau, wurden wir zu einer Stelle an einer größeren Straße gefahren, an der uns der Bus abholen sollte. Links und rechts nur Leitplanken, keine Läden, nichts. Wir wussten nicht so recht, ob wir hier richtig waren. Aber dann kam ein Bus, der tatsächlich anhielt und uns mitgenommen hat.
Es war ein richtig schöner Nightliner. Der Bus fuhr und fuhr, und wir überprüften immer mal wieder auf der Karte, ob wir auch wirklich in die richtige Richtung unterwegs waren. Zum Glück stimmte alles.
Während der Busfahrt konnte ich gut beobachten, wie hier das Ein- und Aussteigen funktioniert. Der Bus hielt irgendwo am Straßenrand und dann ging alles unglaublich schnell: Die Leute (damit sind eher die Einheimischen gemeint, da die das System sicherlich sowieso schon kennen) sprangen aus dem noch rollenden Bus oder stiegen ein. Wenn etwas größeres Gepäck dabei war, wie zum Beispiel unsere Rucksäcke oder gar ein Motorroller, dann wurde fix die Klappe geöffnet und das Zeug dort hinein verfrachtet. Kaum war die Klappe geschlossen, gab der Busfahrer wieder Gas, und sein Kollege flitzte nach vorne und sprang in den Bus. Das hatte etwas von einem perfekt eingespielten Ablauf. Selbst jeder Boxenstopp in der Formel 1 wirkt dagegen wie ein gemütlicher Kaffeeklatsch.
Am frühen Abend kamen wir schließlich an. Dann nahmen wir noch ein Taxi nach Sam Son, wo auch das Ressort war, in dem wir die nächsten Tage einfach mal nichts machen wollten, außer die Seele baumeln zu lassen.
Je näher wir dem Ressort kamen, desto dunkler wurde es. Ganze Straßenzüge, wo kein Licht in den Häusern brannte. Das Haupthaus war ein riesiges Hotelgebäude, aber selbst dort brannten nur ein paar Lichter. Man nahm uns freundlich in Empfang und fuhr uns mit einem kleinen Buggy durch die Dunkelheit zu unserem Poolhaus. Es war ein merkwürdiges Gefühl, fast wie ein sehr gut erhaltener Lost Place.
Bei Tageslicht am nächsten Morgen bestätigte sich der Eindruck: Wir waren in der absoluten Nebensaison. Es war rein gar nichts los. Aber das war in diesem Moment perfekt.
Wir haben in unserem privaten Pool, im Meer und in der Badewanne gebadet. Wir haben gelesen, Musik gehört, gespielt und das Rauschen des Meeres vor der Tür genossen. Genau das war der Plan. Nichts tun.















































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