Nach zwei Tagen und drei Nächten im Ressort war der kleine Urlaub im Urlaub vorbei. Zu viel Ruhe kann auf Dauer ja auch träge machen. Unser nächstes Ziel war Ninh Binh, genauer gesagt ein kleinerer Ort westlich davon, Khe Ha. Schon bei der Ankunft merkten wir, dass es hier ganz anders war. Es war deutlich belebter und von Touristen bevölkert. So viele davon auf einem Haufen hatten wir in den zwei zurückliegenden Wochen nicht mal zusammen gesehen.

Als wir bei der Unterkunft ankamen, standen davor mehrere Minibusse, aus denen ungefähr dreißig Touristen ausstiegen. Wir dachten erst, das könnten vielleicht andere Gäste sein. Doch die Unterkunft hatte gerade mal sechs Zimmer. Passte also irgendwie nicht so ganz. Kurz darauf wurde klar, dass die Leute nicht zum Übernachten kamen, sondern zum Essen. Und zwar direkt vor den Hotelzimmern, zwischen Türen und Pool. Während man also eigentlich in Ruhe entspannen will, sitzen dort draußen Menschen und schauen beim Essen einem direkt ins Fenster. Das war so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir konnten zum Glück kostenlos stornieren und suchten uns eine andere Unterkunft. Diese war dann auch so wie beschrieben. Die Betreiber stellten den Gästen sogar Fahrräder zur Verfügung, mit denen wir dann auch gleich zu den Drachenbergen fuhren.

Auf den etwa fünfhundert Stufen nach oben kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch, und nach der Hälfte dachte ich schon, das reicht eigentlich. Aber oben angekommen, hat es sich für die Aussicht gelohnt.

Am nächsten Tag ging es wieder mit den Rädern los, diesmal ohne festes Ziel. Wir fuhren einfach drauflos, vorbei an Reisfeldern, Kühen und Bergen. Entlang der Straßen haben wir überall den geernteten Reis gesehen, der zum Trocknen ausgelegt wurde. Direkt auf der Straße, in Einfahrten, vor Haustüren und sogar auf Friedhöfen. Ganze Straßenzüge waren mit dem Getreide bedeckt, das die Menschen mit so einer Art Harke hin und her schoben. Wahrscheinlich war gerade Erntezeit, da man das wirklich an jeder Ecke sah.

Während ich so weiter nach links und rechts schaute, sah ich auf einem Schulhof auf klitzekleinen Hockern jede Menge Kinder sitzen, die einem Mann auf der Bühne lauschten. Wir verstanden natürlich nichts davon, doch die Kinder machten motiviert diverse Bewegungen. Es war interessant mit anzusehen.

Dann stand am nächsten Morgen auch schon das letzte Stück der Reise an. Es ging nach Hanoi.

Schon auf der Fahrt wurde klar, dass jetzt wieder Großstadt angesagt war. Je näher wir der Hauptstadt kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Überall wieder Menschen und zig tausende Motorroller. Ein geordnetes Chaos, wie wir es schon aus Saigon kannten. Was aber recht neu war, war so ein komischer heller gelber Fleck am Himmel. Den konnte ich auf Anhieb nicht gleich zuordnen. Doch als mir Lutz sagte, dass das die Sonne sei, erkannte ich es auch. Die hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, und nun begleitete sie uns plötzlich jeden Tag von morgens bis abends in Hanoi. Irgendwer von uns hat wohl endlich mal aufgegessen.

Wir sind diese sonnigen Tage ganz entspannt angegangen. Da wir unsere Unterkunft in der Altstadt hatten, war das Leben auch direkt vor der Tür. Wir sind einfach durch die Stadt gelaufen und haben die verschiedenen Eindrücke um uns herum wirken lassen. Hanoi ist aus meiner Sicht die schönere Stadt, wenn man es mit Saigon vergleicht. Hier ist es wesentlich lebhafter. Die Altstadt mit ihren vielen Geschäften, den kleinen Gassen und dem Trubel drumherum macht es einfach gemütlicher.

Apropos Gassen. Hier gibt unterschiedliche „Themenstraßen“. Das fällt sehr schnell auf, weil alle Geschäfte das Gleiche verkaufen. Da gibt es eine Straße, in der nur Klamotten angeboten werden. Auf anderen sind es nur Blumen oder auch einfach nur Werkzeuge. Die lustigste von allen war aber die mit sämtlichen Dingen rund um Weihnachten. Das hat mich dann doch so leicht auf die kommende Zeit eingestimmt.

Wenn man aber keine Lust hat, alle Straßen zu durchlaufen, um seine Einkaufstüten mit den unterschiedlichsten Dingen zu füllen, kann man das auch alles an einem Ort machen: und zwar in dem dortigen Original des Dong Xuan Centers. Die Leute aus Berlin wissen wahrscheinlich, was ich damit meine.

Was man in Berlin aber sicherlich nicht bekommt, sind die manchmal doch sehr fragwürdigen Varianten von Lebensmitteln. An rumliegendes rohes Fleisch bei 30 Grad, Hühnerfüße oder gar komplette Schweinsköpfe hat man sich ja bereits gewöhnt. Doch komplett gebratene Hunde habe ich hier das erste mal gesehen. Kann euch aber nicht sagen, wie es geschmeckt hat. Auch wenn es mich vielleicht interessiert hätte.

Neben diesem doch recht interessanten Essen durfte natürlich ein Besuch entlang der Eisenbahnschienen nicht fehlen. Diese verlaufen an einigen Stellen so dicht durch Häusergassen, dass zwischen einem selbst und dem Zug gerade mal ein halber Meter Platz ist. Das ist definitiv ein Erlebnis. Wann kann man schon mal einen fahrenden Zug so dicht an einem vorbeiziehen lassen und dabei noch anfassen!?

Mit diesem Verbesserungsvorschlag an die Deutsche Bahn im Gepäck geht es nun auch wieder zurück nach Hause.

Da wir hier in den vergangenen drei Wochen auf unseren Fahrten durch das Land immer sehr bequem und im Liegen gereist sind, soll das auf dem Rückflug natürlich nicht anders sein.

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